Wie wichtig es ist, manchen Dingen eine zweite Chance zu geben, habe ich durch meine SMD-Geschichte gelernt. SMD war mir schon ein Begriff, und so war es für mich auch klar, dass ich mit meinem Studienstart 2018 direkt die SMD-Gruppe besuchen würde. Aber nach ein paar Wochen merkte ich, dass es doch nicht so ganz meins war. Ich kam nicht direkt in die Gemeinschaft rein, war auch zu zurückhaltend, um auf andere Menschen zuzugehen, und sah nicht ganz die Relevanz so einer Gruppe für mich. So vergingen zwei Jahre ohne SMD, bis ich im Corona-Lockdown plötzlich mit der Erkenntnis konfrontiert war, dass auch ich als ruhiger, introvertierter Mensch ein Bedürfnis nach Gemeinschaft hab. So hab ich der SMD nach der Einladung einer Freundin eine zweite Chance gegeben – und war zwischen Online- und Präsenzformaten plötzlich ganz begeistert dabei. Anfangs wegen der Menschen, mehr und mehr auch wegen der Vision.
So begann ich ein Semester später dann auch, mitzuarbeiten, und wurde nach einem weiteren Semester für die Leitung vorgeschlagen. Aber kann ich das? Dafür bin ich doch viel zu introvertiert, nicht visionär genug, kann mich nicht richtig durchsetzen… Eine ganze Weile habe ich mit diesem Thema gerungen und viele Gespräche mit Freunden geführt, ob ich mir das wirklich zutrauen sollte. Erstaunlicherweise war ich der Einzige, der daran gezweifelt hat. Also ließ ich mich drauf ein und erlebte gleich am ersten Gruppenabend meines Leitungssemesters eine positive Überraschung: in meiner Leitungsrolle fiel es mir plötzlich ganz leicht und machte sogar Freude, auf neue Studis zuzugehen, sie kennenzulernen und miteinzubinden. Mit der Zeit entdeckte ich in mir immer mehr Leitungspotential und zwischenmenschliche Stärken, die mir vorher nicht bewusst waren. Allmählich konnte ich auch auf Bühnen stehen, mich beim Grill a Christian befragen lassen oder Musik im Hörsaal bei Aktionstagen machen. Das positivere Selbstbild, was sich dadurch entwickelte, war ein wichtiger Schritt für mich auf dem Weg, meine Berufung in den vollzeitlichen Dienst zu erkennen, die sich dann tatsächlich ebenfalls bei der SMD verwirklichte.
Jetzt, als Regionalreferent, ist es mir eine große Freude und ein wichtiges Anliegen, diese Prozesse bei anderen Studis mitzuerleben und anzustoßen. Ich darf immer wieder sehen, wie sich Begabungen entfalten, Mut wächst und junge Menschen in Verantwortung treten. Was für ein Geschenk!